Wo soll man denn bei so einer Geschichte anfangen?
Vielleicht zuerst in der Kindheit!
Ich bin aufgewachsen mit VW Käfer, meine Eltern hatten 2 Stück nacheinander, ich glaube, bis ich 9 oder 10Jahre alt war.  Mit denen ging es sogar in Urlaub, jedes Jahr fuhren wir vom Saarland bis nach Holland, 2 Erwachsene und 2 Kinder, wofür heute ein Mini-Van gebraucht wird, ging das damals auch mit einem VW Käfer. Irgendwann wurde dann natürlich VW Golf modern und damit hatte sich das Thema Käfer erstmal erledigt. Naja, erledigt nicht ganz, schließlich gab es ja echt lustig Filme mit einem VW Käfer, Dudu oder Herbie, aber irgendwie kam ich nie auf die Idee mir einen zu kaufen, alles musste irgendwie schnell oder schneller sein. Zudem kannte ich auch kaum noch einen der einen Käfer gefahren hatte. Klar habe ich immer mal wieder YouTube Videos angeschaut in denen Leute umgebaute Käfer zeigten, mit Porsche, Audi, oder Subaru Motoren.

So verging die Zeit, bis zum Sommer 2017, wir saßen auf der Arbeit beim Mittagessen zusammen und irgendwie kam ich auf das Gespräch „Käfer“, da meinte ein Kollege, dass ein anderer Kollege noch einen VW Käfer in seiner Garage stehen hätte, daraufhin meinte ich, dass wenn der Preis stimmen würde, ich ihn nehmen würde. Irgendwie vergingen ein paar Wochen und ich sagte zu dem Kollegen, „wenn Du mal Deinen Käfer verkaufen willst, dann sag Bescheid, vielleicht können wir uns ja einigen“. Die Antwort war erst mal ernüchternd, denn eigentlich wollte er da noch nicht verkaufen. Obwohl ich doch mal ab und zu nachfragte, wurde nie wirklich Ernst aus der Sache. Bis zum Sommer 2018, da fragte er mich ob ich noch Interesse hätte, ich sagte, klar wenn der Preis stimmt. Also irgendwie kam es zu keiner großen Verhandlung, er sagte mir was er wollte und ich fand den Preis ganz ok und bekam noch ein paar Teile dazu und war dann natürlich schon mal das Autochen anschauen.

Es stand wie vorher schon auf einem Bild gesehen trocken in einer Garage, der Motor war ausgebaut, etwas abgedeckt und stand draußen im Vorgarten, ich hatte mir nicht mal die Mühe gemacht die Plane anzuheben. Der Käfer BJ 1967 war laut Brief seit dem Jahr 2000 abgemeldet und stand nur rum, 2 Vorbesitzer und in einem relativ guten Zustand, wenn man bedenkt wie alt er ist. Im Dezember 2018 fuhr ich mit meiner Liebsten dann mit Kombi und Anhänger dorthin um ihn abzuholen, sozusagen als „kleines“ vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Käfer auf den Anhänger gezogen, er hat sich nicht mal gewehrt, den Motor in den Kofferraum und ab ging es Nachhause. Natürlich regnete es an dem Tag, das Schiebedach undicht, die hinteren Seitenscheiben nicht drin, so luden wir ihn zuhause ab, im strömenden Regen, unter Argus Augen der Nachbarn, beim Abladen half sogar noch eine Nachbarin, obwohl es tierisch Nass war. Da stand er nun in der Garage, dreckig und ungeliebt. Den Motor auf ein Rollbrett verfrachtet und in eine 2. Garage geschoben.

Nun musste ein Plan her:
Was muss alles gemacht werden?
Was wäre „Nice to have“?
Wie lange soll es dauern?
Und was wird es kosten?

Also nach wirklich einer Mini Absprache mit meiner Frau, war völlig klar: „Wenn, dann richtig“, das waren IHRE Worte!

Also erstmal Bestandsaufnahme machen was direkt ins Auge fällt. Alle benötigten Teile die jetzt schon klar waren auflisten, benötigte Spezialwerkzeuge für Käfer raussuchen und überlegen womit anfangen.

Da die Karosse jetzt erstmal gut und trocken stand, dachte ich, am besten mit dem Motor, der sich auf den 1. Blick als die größte Baustelle herauskristallisierte. Also, was brauche ich, na klar einen Motorständer für den Käfer Boxer, also mal vorab bestellt, und bis der da war, konnte man ja schon mal anfangen das Stück Rost auseinander zu bauen. Drehen ließ sich der Motor, sonst hätte ich gar nichts darangemacht und einen neuen gekauft.

So war die 1. Challenge geboren.

Klar ich arbeite bei einem Autohersteller und ja ich schraube an Autos rum, seit ich eins hab. Aber einen kompletten Motor zerlegen, revidieren, zusammenbauen und ans Laufen zu bekommen, war für mich auch das erste Mal, sonst waren es Teile austauschen, Bleche restaurieren usw. Aber ohne Angst ans Werk und das gute Teil zerlegt, angefangen beim Auspuff, die Motorbleche, der Vergaser war schon ab und lag in einer Schachtel, halb zerlegt mit irgendwelchen anderen Schrauben und der Benzinpumpe. So ging dann die Arbeit langsam voran, Zylinderköpfe abgebaut, da kam die 1. Überraschung, Spinnen in 2 Zylindern, da musste ich dann doch lachen. Die Ansaugbrücke durchgerostet auf dem Loch ein Stück Gummi mit einer Schelle befestigt, als ich sie abhatte, wusste ich dann warum die Schelle da war. Alle Teile des Motors wurden gereinigt, begutachtet und wenn beschädigt oder für nicht gut befunden, wurden neue bestellt.

Angefangen bei der Kompletten Motor-Verblechung, über Stößelschutzrohre usw. Somit gab es dann auch neue Ventildeckel, neuer Auspuff, alle Teile der Zündung. Die Benzinpumpe wurde neu abgedichtet, die Lichtmaschine wurde komplett überholt, der Vergaser neu abgedichtet. Alleine das Reinigen des Motorblocks und aller Teile war eine übelste Arbeit, denn anscheinend waren die Teile schon ETWAS älter.

Dann entschied ich mich dazu den Gebläsekasten in Wagenfarbe zu lackieren, was sich meiner Meinung nach als gute Entscheidung herausstellte. Beim Ausbau der Kupplung und des Schwungrades hatte sich herausgestellt, dass dieses nicht mehr zu retten war, glücklicherweise, nach etwas Suche, fand ich die passenden Teile dafür.

Da sich die Lieferungen der Teile oft verzögerte, hatte ich zwischendurch immer Zeit mich um den Rest etwas zu kümmern. Also wurde erst mal der hintere Teil unter die Lupe genommen, denn da sollte ja der Motor rein, wenn er fertig ist, dann wäre es ja von Vorteil, wenn der hintere Teil des Käfers schon fertig wäre. Also erstmal Rostkontrolle, dabei stellte sich heraus, dass es nicht viel davon gab, 2 Stellen an denen geschweißt werden musste, Rahmen völlig ok, am Häuschen Kleinigkeiten. Klar hat das Häuschen Gebrauchsspuren und ein paar Mini Rostflecken, aber wegen denen den Original lack zu zerstören wäre wohl ein Fehler. Alle gefunden Roststellen wurden beseitigt, „ohne Spachtelmasse“!

Neue Motorraumdichtungen eingezogen, bei denen sich dann gezeigt hat, dass beim Einziehen die Verletzungsgefahr doch hoch ist und die Hände danach aussehen als hätte man eine Schlägerei gehabt. Hintere Antriebswellenmanschetten getauscht, Getriebeöl gewechselt. Schubstangen der Ausgleichsfeder aufgearbeitet. Bremsen hinten komplett erneuert.

Mittlerweile war der Motor zum 1. Einbau fertig, hatte ja keinen Prüfstand um ihn vorher zu testen.

Nun wurde es Zeit, da ich auch nicht wusste wie es der ganzen Elektrik geht, eine Batterie zu kaufen. Gesagt, getan. Batterie eingebaut, Ladegerät dran und mal schauen was an der Elektrik so alles funktioniert, eine wahre Pracht, denn erstmal funktioniert gar nichts. Nach viel messen und probieren stellte sich heraus, dass überall die Kontakte oxidiert waren, egal ob an den Fassungen der Birnen, den Relais oder dem Sicherungsblock, also alles abklemmen reinigen, Kontakte anschleifen und zusammenbauen. Und siehe da Hupe geht, Licht geht usw. Also schon mal ein kleiner Erfolg.

Dann ging es daran den Motor einzubauen. Echt ne Fummelei, alleine mit dem Wagenheber, der mir einfach nicht helfen wollte. Motor war drin, also rief ich mir Hilfe hinzu, wollte ja nicht den Motor anlassen und dann feststellen, dass im Motorraum was brennt, wenn ich dann wieder aus dem Auto aussteige. Mein Schatz kam und startet den Motor, wie von mir gewünscht mit getretener Kupplung. Und es war da, das Boxer Geräusch des Käfers.

Motor wieder aus.

Nach kleineren Einstellungen startete ich den Motor dann nochmal und zwar alleine, ohne getretene Kupplung. Und auf einmal war ein schmerzendes Klackern zu hören, oh Mann, Motor schnell wieder aus, nach vielen versuchen wieder mit Hilfe, stellt sich heraus, dass ich etwas beim Axialspiel verkehrt gemacht hatte, und immer wenn die Kupplung getreten war kam Druck auf die Welle und das Axialspiel war weg. Das Ergebnis, Motor wieder raus, Kupplung raus und Axialspiel messen, ohje, über alle Toleranzen. Dies hatte wieder mal eine Woche Wartezeit zur Folge, da ich neue Einstellscheiben bestellen musste, endlich waren sie da, wieder ein neuer Simmerring und siehe da, nach nochmaligem messen steht das Axialspiel perfekt. Motor wieder rein und diesmal ohne getretene Kupplung gestartet, kein Klackern mehr, alles ok. Aber beim Ausmachen doch noch ein Problem erkannt, das aber erstmal nicht relevant war. Beim Stoppen des Motors läuft Sprit aus der Drosselklappenwelle in den Motorraum, also ausgeschlagene Welle am Vergaser. Naja, alles machbar, hindert aber nicht am weitermachen, der Krabbler war ja noch weit entfernt von der 1. Probefahrt.

Nun ging es erstmal an die Front. Vordere Bremsen komplett zerlegt, in diesem Zug auch gleich den Hauptbremszylinder ausgebaut und die Tragarme, um neue Gelenke einzubauen. Dabei stellte sich heraus, dass ich doch nicht alles in der Garage selber machen kann, die Tragarme ließ ich dann bei einem VW Händler mit Classic Part Zeichen machen. Da wusste ich noch nicht, was noch auf mich zukommt, ich war geistig schon dabei die Arme einzubauen, als ich mir dachte ich könne ja den Vorderachskörper schön saubermachen. Dann kam es wie es kommen musste, Fett weg, Loch da, ups 2 1cm große Löcher. Nach recherchieren im Internet hätte es sogar genau für diese Stelle die passenden Bleche gegeben, dann erinnerte ich mich daran, was ich mit meiner Frau ausgemacht habe, „Wenn dann richtig“. Also neue Vorderachse muss her, und wenn dann gleich eine verstellbare und das Ganze auch noch mit Gutachten. Also alte Achse raus, Lenkung abbauen, alles zerlegen. Lenkgetriebe an die neue Achse montieren, Federstäbe rein und die Teile am Käfer verbauen. Somit war eigentlich die ganze Technik an der Front bis auf das Lenkgetriebe neu. Kürzere Stoßdämpfer verbaut, neue Bremsen drauf und schon stand er wieder auf seinen vier Reifen, ein tolles Gefühl.

Also fehlt nur noch die 1. Probefahrt und einige andere Sachen. Die Sitzbezüge sehen gar nicht gut aus, Fahrersitz gerissen und die andere schön dreckig und fleckig, so schlimm, dass weder Nasssauger noch sonst ein Reiniger irgendeine Veränderung gezeigt hätte, außer wenn man mit einer Bürste die Sitze bearbeitet sich der Stoff auflöst. Das Stahlschiebedach funktioniert auch noch nicht richtig, hier wurden die Dichtungen gewechselt, das Zahnrad der Kurbel rutscht durch. Erst dachte ich, ok das Ritzel ist wohl nach 52 Jahren verschlissen, also ein neues bestellt und eingebaut, aber leider passt nun die Kurbel nicht mehr richtig und es rutscht immer noch durch. Also zur Seite legen und nachdenken!

In der Zwischenzeit habe ich schon die 1. Probefahrt absolviert, alle Systeme Ready, außer ein paar Kleinigkeiten, wie ein nicht funktionierendes Bremslicht. Nach langer Suche, hatte ich endlich neue Sitzbezüge gefunden, in Blau, passend zum Fahrzeug. Scheinbar war Blau nicht wirklich häufig, aber immerhin noch ein paar ergattert. Nun ging es daran die Sitze und die Rückbank auszubauen, die alten Bezüge zu entfernen, die Sitze neu aufzupolstern und neu zu beziehen. Schon nach der Rückbank, war mir eins bewusst, nun wusste ich warum ein Sattler Geld für dies Arbeit bekommt. Nach Stundenlangem ziehen Drücken und spannen, war es geschafft. Sitze sehen jetzt aus wie neu.

Nun noch die Kleinigkeiten ausbessern, Sicherungskasten bearbeiten, Kontakt an den Leuchten bearbeiten, denn man will ja nicht auf dem TÜV stehen und wegen einer nicht funktionierenden Lampe durchfallen. Jetzt mussten neue Reifen her, da ich nun erst einmal das Auto über den TÜV haben wollte, wurden die Ideen für breitere Reifen und Felgen erst mal verworfen. Durch einen Zufall habe ich 4 VW Felgen bekommen in Original Serien Größe, zwar vom Design her etwas anders als die, die bei der Produktion des Fahrzeuges drauf waren, aber halt ein akzeptabler Zustand. Neue Reifen mit Schläuchen drauf, fertig, wieder ein Teilerfolg.

Um eine böse Überraschung beim TÜV zu vermeiden, bin ich schon mal mit den Unterlagen die ich hatte zum TÜV. Nur um zu klären wie es aussieht H-Kennzeichen und verstellbare Vorderachse. Da kam dann, ja zulassen kann ich Ihnen das, aber H-Kennzeichen nicht. Da ich wusste, dass es Leute gibt, bei denen dies nicht so ist, wieder Forschung betreiben. Nach tagelanger Suche und mit Hilfe von Membern aus Käfer Foren, die Erlösung, Nachricht vom Oldtimer Zuständigen des TÜV-Süd. Eine schriftliche Nachricht, dass die Vorderachse H konform ist. Also mal alle Unterlagen wie diese Nachricht und einen Auszug aus einer Zeitschrift von 1967 ausgedruckt und zu den TÜV Unterlagen gelegt. So jetzt mal den Käfer noch etwas aufhübschen. Und einen TÜV Termin ausgemacht. Um alle unvorhersehbaren Dinge auszuschließen, einen Anhänger besorgt und einen Tag früher mit dem Auto auf dem Anhänger zum TÜV. Dort habe ich das  Auto stehen lassen, damit der Prüfer Zeit hat, da er wegen der Vorderachse eine Probefahrt machen wollte.
Hier muss jetzt sogar mal der Prüfer des TÜV Süd in Ansbach gelobt werden, ein freundlicher Empfang am nächsten Tag. TÜV gemacht, Achse eingetragen und die Monza Endrohre wurden auch eingetragen. Auto wieder zurück nach Hause.

2 Tage später zur Zulassung, alle Unterlagen vorgelegt, nach 10 Minuten, die Ansage: „Ihr Oldtimer Gutachten ist veraltet“, das war wohl etwas frustrierend, denn ich hatte vorher bei einer anderen Zulassungsstelle im Landkreis, die Aussage bekommen „wenn er Oltimer war, brauchen sie kein neues Gutachten“. Naja, direkt von der Zulassungsstelle den TÜV angerufen und gefragt wie das jetzt aussieht, da er das Auto ja begutachtet hatte. Da der Prüfer für das Oldtimer Gutachten Fotos machen muss, musste ich also wieder zum TÜV, so hat mir der freundliche Prüfer angeboten, das Gutachten Samstags zu machen. Also auf der Zulassungsstelle ein Kurzzeitkennzeichen beantragt und mitgenommen. Samstag dann wieder zum TÜV, diesmal auf eigener Achse, natürlich bei Regen, wie soll es auch anders sein. Die Scheibenwischer an einem über 50 Jahre alten Auto sind echt gewöhnungsbedürftig, wenn sie in Zeitlupe über die Scheibe wischen. Der Termin war schnell erledigt, er hat sich das Auto nochmal angeschaut, viele Fotos gemacht und das Gutachten ausgedruckt.

Also wieder nach Hause. Montags wieder zur Zulassungsstelle, diesmal alles dabei, die Bearbeiterin schaute etwas komisch auf den Zettel mit dem Kennzeichen, welches mir der nette Mitarbeiter der Zulassungsstelle 1 Woche vorher rausgesucht hat. Sie war da etwas ungläubig und ich verwies sie an ihren Kollegen, dieser bestätigte dann die Autonummer.

Somit war das Projekt Wiederaufbau Käfer beendet. Um meine Freunde aus NRW an dem Fahrzeug teilhaben zu lassen, durfte der Käfer auf dem Anhänger mit zum jährlichen SUBARU Meet&Track um ihn dort auszustellen und ein Gutachten machen zu lassen. Ein VW zu einem Subaru Treffen? Ja, schließlich hat der Käfer ja auch einen Boxer Motor. Und der Subaru Drivers Club hat auch ein Herz für andere Automarken. Nach dem Tag wusste ich, dass ich alles richtiggemacht hab. Durch die netten Kommentare meiner Freunde und der Besucher zu dem über 50 Jahre alten Krabbler.